Warum fühlt sich das so verdammt nach Scheideweg an?

Es ist wirklich schwer, damit zurechtzukommen, dass es jahrelang ein Ziel im Leben gab, das nun nirgends mehr zu finden ist. Das muss ich an dieser Stelle ehrlich zugeben. Ich bin stolz darauf, dass sich die Angststörung größtenteils aus meinem Alltag zurückgezogen hat. Was bleibt: Alles, was sie mir genommen hat.

Wann ich meinen Berufswunsch zum ersten Mal geäußert hatte, weiß ich heute nicht mehr. Leider. Geschrieben habe ich schon immer gern; zu Grundschulzeiten wollte ich aber liebend gern Lehrerin werden (ja…). Wann also die Sache mit dem Journalismus aufgekommen ist – who knows. Als mit 16 das erste Schülerpraktikum anstand, wusste ich es aber schon längst. Und um einen ersten Schritt auf diesem Weg zu machen, begann ich mein Praktikum bei der Lokalzeitung, blieb danach jahrelang freie Mitarbeiterin, machte mein Abitur, immer wieder neue Praktika, schaffte es zum Journalistikstudium, arbeitete nebenher weiterhin frei und schrieb Texte. Der Weg war klar: Abi, Uni, Volo.

Nach dem ersten Monat im Beruf: Angststörung

Dass ich das Ziel „Volontariat“ erreicht hatte, war super! Aber nach einem Monat bei meinem neuen, ersten „richtigen“ Arbeitgeber in der Medienbranche, brach die Angststörung aus. Ich war über ein halbes Jahr lang krankgeschrieben. Ein halbes Jahr, in dem Therapie und Reha anstanden und ich große Fortschritte gemacht hatte. Aber nach der Reha war ich nicht bereit für den Arbeitsalltag und viel wichtiger: konnte noch nicht wieder Auto fahren. Ich war das Warten leid und habe meinen Arbeitgeber, die Zeitung, bei der ich mein Volontariat machen sollte, verlassen.
Der Weg seitdem: ein Wirrwarr ohne Straßenschilder. Zeit totschlagen. Denn für das Volontariat bin ich aus dem Süden in den Norden gezogen und gestehe: Ich fühle mich hier nicht wohl. Ich will zurück und sobald mein Partner seine Promotion beendet haben wird, möchte ich hier keinen Tag länger bleiben, als nötig. Ich möchte die Stadt und alles, was ich mit ihr verbinde, hinter mir lassen.

Bloß. Hier das Problem: der Wirrwarr. 

Was läuft nun karriere- oder zumindest arbeitstechnisch? Ich habe mit einem Nebenjob Geld verdient und mir damit bewiesen, dass ich nach Ausbruch und Behandlung der Angsterkrankung wieder voll einsatzfähig bin. Nach dem Nebenjob habe ich eine Vollzeitstelle aus dem akademischen Bereich angenommen, von der ich mir viel versprochen hatte, aber enttäuscht merken musste: Da gehöre ich überhaupt nicht rein. Nun beginne ich wieder einen Teilzeitjob im Einzelhandel, der nur dem Rechnungzahlen gilt. Und dann? Nebenher freiberuflich schreiben, um die Zeit, die mir noch in dieser Stadt verbleibt, möglichst produktiv zu nutzen und in Zukunft aktuelle Arbeitsproben vorzeigen und künftige Arbeitgeber von meiner Leidenschaft überzeigen zu können?

Ich habe viel aktzeptiert. Nicht alles. Sollte ich?

Aber diesen ungewissen Weg weiterzugehen, fühlt sich so angenehm an, wie barfuß über diese fießen kleinen Steinchen am Strand zu laufen.

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Ich habe viel akzeptiert. Und das war wichtig, um mit der Angsterkrankung zurechtzukommen und den Panikattacken nicht so viel Raum in meinem Leben zu geben. Und ja: Ich kann eigentlich sagen, dass ich sie los bin. Einen gewaltigen Batzen der Angst und einen noch größeren (fast den ganzen!) Teil der Panik.
Aber wo die Akzeptanz schwer fällt: bei der Arbeit. Den verlorenen Zielen, Wünschen, Träumen, dem Verlust des vertrauten Wegs, der Orientierung gegeben hat. Das ist wirklich, wirklich schwer. Und die Tatsache, dass nur ich selbst die Lösung finden kann, macht es nicht einfacher.

 

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2 Antworten auf „Warum fühlt sich das so verdammt nach Scheideweg an?

  1. Vermutlich braucht es eine Zeit der Trauer um vergangene Ziele, aber dann ist es auch an der Zeit nach vorne zu schauen und deine neuen Möglichkeiten zu sehen und ihnen zu folgen.
    Wünsche dir viel Freude dabei

    Gefällt 2 Personen

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