Ich will keine Angststörung: Die Sache mit der Akzeptanz

„Das Wichtigste ist, dass Sie diese Erkrankung nun als solche akzeptieren.“ Meine Therapeutin sagte das mal eben gerade heraus und ich musste mir beinahe das Lachen verkneifen – so absurd klangen ihre Worte in meinen Ohren. Als ob. Als ob ich das nun einfach so hinnehme. Was sollte das? Das war nicht ich. Ganz einfach. Wieso sollte ich etwas akzeptieren, das ich absolut nicht in meinem Leben haben wollte?

Ich wehrte mich, nur um dann zu merken: Akzeptanz macht alles einfacher.

Wenn ich heute, einige Monate nach dieser Therapiesitzung, auf meine Gedanken und Gefühle in dem Moment zurückblicke, verstehe ich, woher dieses Sträuben rührte. „Akzeptieren“. Genauso hätte sie „Aufgeben“ sagen können. In meinen Ohren klang das nach Wünschen, die nie in Erfüllung gehen würden. Träumen und Plänen, an die ich mich also nun dank der Angst gar nicht erst heranwagen könnte. Es klang nach einsam in der sicheren Ecke stehen und auf meine Füße starren. Während meine Freunde ihr Leben lebten, Karriere machten, reisten, sich engagierten, Spaß hatten. Und ich? Ich würde auf meinem Sofa sitzen, Kissen umarmen und akzeptieren. Dass ich das alles nicht könnte, dass ich nie weit entfernte Länder sehen, mich nie wohl fühlen, nie eine Spur in dieser Welt hinterlassen könnte. Tür zu. Licht aus. Sicherheit.
Das war meine Vorstellung von „Akzeptanz“.
Und natürlich ist das absolut verkehrt.

Ja, ich habe eine Angststörung. Finde ich furchtbar. Klar, ich möchte sie am liebsten in irgendeinem Hinterhof verscharren. Ob das geht? Zumindest kann ich das heute noch nicht. Aber bedeutet das Annehmen der Erkrankung auch, dass ich mein Leben dafür aufgebe?
Akzeptanz bedeutet nicht, dass ich nie mehr Abenteuer erleben kann. Sie bedeutet lediglich, dass ich währenddessen öfter auf meinen Körper und meine Psyche achten sollte. Warnzeichen früh wahrnehmen und nicht unterdrücken, bis sie sich so weit aufgestaut haben, dass die Panik über mich hereinbricht. Also: Das Stresslevel im Blick behalten. Mir Zeit für mich und für Dinge nehmen, die mir gut tun, mich entspannen, mir erlauben, in einer hektischen Welt im Gleichgewicht und ich selbst zu bleiben.
Akzeptanz bedeutet nicht, dass ich nie Karriere machen könnte. Dass ich meine Angststörung entwickelt habe, hat einen Grund. Und ich weiß, dass ich in den vergangenen Jahren, wenn es um meine berufliche Zukunft ging, Dinge wie Erfolg und Gehalt und Ruf in den Vordergrund gestellt habe. Freude, Leidenschaft – das war mir mit achtzehn in meinem Wunschjob noch am wichtigsten. Aber gespürt habe ich das nun lange nicht mehr. Nur noch Druck und hohe Ansprüche an meine eigene Leistung.

Ich weiß, wo meine Schwächen sind und dass ich in vielerlei Hinsicht empfindlicher reagiere, als andere Menschen in meinem Umkreis. Das ist nicht schlimm. Jeder ist anders und ich bin nun mal so, wie ich bin – das ist meine Stärke.
Ich kann so viel. Ich kann alles, was ich will. Und ich werde alle meine Träume umsetzen können, wenn sie mir nur wichtig genug sind. Bloß werde ich das im Einklang mit meinem Körper und meinem Geist machen. Und nicht über sie hinweg. Das nämlich bedeutet Akzeptanz.

 

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4 thoughts on “Ich will keine Angststörung: Die Sache mit der Akzeptanz

  1. Vielen Dank für deine Nachricht! Es ist immer wieder so schön, solch warme Worte zu lesen! 🙂 Und ja, das müssen wir wieder lernen – das Pausieren und das Sein. Es ist traurig, dass es sich so falsch anfühlt, weil wir es dermaßen verlernt haben… Aber es kann nur bergauf gehen!

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  2. Danke für deinen Blog! Es ist so wichtig, mehr Raum und (deshalb hier ^^) Akzeptanz für die Erkrankung zu schaffen :)!

    Und zur Selbstakzeptanz…nun ja. Die Panikattacke ist die hässliche Schwester des Leistungswillen. Wenn ich eine Gemeinsamkeit bei Menschen mit Angststörung gefunden habe, dann dass sie unfassbar viel leisten. Jeden Tag. Diese extreme Leistungsbereitschaft muss nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden und dann wird wieder alles möglich. Sogar mehr als nur das.

    Wobei es auch okay ist, davon zu pausieren, um mit Schwung Neues angehen zu können. Das ist das, was wir lernen müssen, oder? Zu Pausieren. Zu Atmen. Zu Sein. Einfach nur so.

    Ich freue mich, mehr von deinem Weg zu lesen!
    Herzlichst, chutriel

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  3. In meinen ersten Therapien ging es mir ähnlich. Was wollen diese Therapeuten immer mit ihrer Akzeptanz?

    Mittlerweile weiß ich aber auch, dass Akzeptanz die Grundvoraussetzung für Veränderung ist und ich ohne Akzeptanz ständig in einem endlos scheinenden Kampf gefangen bin!

    Freue mich darauf mehr von dir zu lesen! 😊
    Alles Liebe, Julia aka Psycho 😉

    Gefällt 1 Person

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